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AK FÜR SIE 12/2017 – 01/2018
Glabuen Thema
Die digitale Revolution krempelt viele Branchen
völlig um. ArbeitnehmerInnen müssen flexibel
auf die neue Berufswelt 4.0 reagieren.
E
ines ist fix: Die Digitalisierung
wird unsere Arbeitswelt für im-
mer verändern, sie sogar revo-
lutionieren. Nicht so sicher ist
hingegen, welche Auswirkungen
der technologische Fortschritt
für uns alle hat. Viele fürchten, dass ihre
Tätigkeit von Maschinen übernommen
wird und sie dadurch ihren Arbeitsplatz
verlieren. Andere profitieren von den neu-
en technischen Möglichkeiten, die auch
die Unternehmen massiv wandeln oder
erst neu entstehen lassen.
Adele Siegl etwa hat einen Job, der ohne
Smartphone und App um einiges komplizier-
ter wäre. Seit zwei Jahren ist sie Fahrradbo-
tin beim Online-Essenslieferanten Foodora
und hat dort – erstmalig bei einem Internet-
Start-up – einen Betriebsrat gegründet. Sie
kennt auch die negativen Seiten der New
Economy. „Die Arbeitsverhältnisse werden
immer prekärer, echte Angestelltenverhält-
nisse mit Krankenstand und Urlaub oder
gar 14 Gehälter im Jahr sind eine Rarität“,
bestätigt Siegl. Rund 300 freie Dienstneh-
merInnen sind in Wien unterwegs, um die
über die Website oder die Smartphone-App
bestellten Speisen von den Restaurants zu
den KundInnen zu bringen.
Fair statt prekär
Ist das die Zukunft der Arbeit? Flexibel,
prekär? Die Arbeiterkammer beschäftigt
sich schon lange intensiv mit dem Thema
Digitalisierung der Arbeitswelt. „Wir wollen
den digitalen Wandel nicht einfach über
uns ergehen lassen. Wir wollen den Wan-
del mitgestalten“, sagt AK Präsident Rudi
Kaske. „Das Anliegen der AK ist es, dass
die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
Arbeit 4.0 –
wir reden mit
Das AK Qualifizierungsgeld-Modell
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Eine gute Ausbildung
wirkt wie eine „Schutzimpfung“, die hilft, die Veränderungsprozesse
zu bewältigen. Daher ist das Thema Qualifizierung für die AK besonders wichtig.
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Mit dem Qualifizierungsgeld
hat die AK hat ein Modell erarbeitet, um längerfristige
Weiterbildung einfacher zu machen und allen Beschäftigten eine zweite Ausbildungschance zu
ermöglichen. Die bestehenden Systeme Bildungskarenz und Bildungsteilzeit sowie das
Fachkräftestipendium würden zusammengeführt und ersetzt, die Chancen auf Weiterbildung
erhöht. Gerade für Menschen mit mittlerer oder niedrigerer Qualifikation wird es dadurch
deutlich einfacher, sich neues Wissen und neue Fähigkeiten anzueignen.
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Eine Arbeitsgruppe der Plattform Industrie 4.0,
geleitet von AK Expertin Ilse Leidl-
Karpfenbauer, hat sich mit Aus-, Fort- und Weiterbildung in Zeiten von Digitalisierung beschäf-
tigt. Herausgekommen sind 81 Empfehlungen für die Politik, Verwaltung, Unternehmen,
Sozialpartner und Bildungsträger.
1 Foodora
Adele Siegls wichtigste Arbeits-
geräte sind das Handy und das
Fahrrad: Als Fahrradbotin bringt
sie Essen von Restaurants zu
KundInnen. „Von bezahltem
Urlaub und Krankenstand
können die meisten nur träu-
men“, erzählt Siegl, die heuer
einen Betriebsrat gegründet hat
– den ersten bei einem solchen
Zustellunternehmen
Informationen unter
plattform40.at