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AK FÜR SIE 12/2017 – 01/2018

Noch Fragen?

wien.arbeiterkammer.at

Glabuen Steuer

Digitale Konzerne tun sich leicht, ihre Gewinne

zu minimieren und so minimale Steuern zu zah-

len. Damit muss Schluss sein, fordert die AK.

E

rst wenige Tage ist es her,

dass wieder haarsträubende

Daten darüber ans Tageslicht

gekommen sind, wie Super-

reiche und Konzerne ihr Geld

steuerschonend in diversen

Offshore-Destinationen parken. In den

Paradise Papers finden

sich prominente Namen.

So lasse sich detailliert

nachvollziehen, wie bei-

spielsweise der Compu-

terriese Apple oder der

Sportmulti Nike in Euro-

pa erzielte Gewinne fast

steuerfrei ins Ausland

transferieren.

Für Konzerne und Menschen mit sehr

viel Geld ist es einfach, ihre wirtschaftli-

chen Aktivitäten und Vermögenswerte so

zu gestalten und zu strukturieren, dass un-

term Strich (fast) kein Gewinn mehr über-

bleibt – womit auch keine oder nur sehr

geringe Steuern anfallen. Den Staaten ent-

gehen so enorme Summen. Denn bis zu

32.000 Milliarden US-Dollar sind laut

Schätzungen weltweit in Steueroasen ge-

parkt. Durch die Steuer-

vermeidungsstrategien

der multinationalen Kon-

zerne gehen den Staa-

ten laut Berechnungen

der OECD jährlich bis

zu 240 Milliarden US-

Dollar verloren. Das sind

bis zu zehn Prozent der

weltweiten Körperschaftsteuereinnahmen

– Geld, das für wichtige Investitionen in

Bildung, leistbares Wohnen und Infrastruk-

tur fehlt.

Besonders leicht fällt es großen digitalen

Konzernen wie Google, Apple oder Face-

book, ihre Steuern auf ein Minimum hinun-

terzuschrauben. Denn sie produzieren ja

nichts, haben also keinen physischen

Standort in einem Land. Sie brauchen kei-

ne Filiale und keine Fabrik, um Geschäfte

zu machen. Ihre Wertschöpfung und damit

ihren Gewinn erzielen sie mit Vermögens-

gegenständen wie Daten, Lizenzen und

Markenrechten. Wie mächtig diese Kon-

zerne geworden sind, zeigt ein Blick auf

die Größentabelle: Unter den 20 größten

Konzernen weltweit sind bereits neun Un-

ternehmen aus der digitalen Welt – vor

zehn Jahren war es erst eines.

Steuerrecht veraltet

Doch das Steuerrecht hat diesem massi-

ven Umbruch noch nicht Rechnung getra-

gen. Denn die Grundprinzipien der Unter-

nehmensbesteuerung sind fast 100 Jahre

alt. Von zeitgemäß kann also wahrlich keine

Rede mehr sein. Hier muss sich etwas än-

dern, fordert die AK und hat daher die re-

Apple, Google, Facebook und Co. sollen

ihren gerechten Anteil am Steuerkuchen

leisten

Steuerprofessorin Rita de la Feria zeigt Möglichkeiten einer gerechten Besteuerung von

digitalen Konzernen auf

„Werden nur einzelne

Schlupflöcher geschlos-

sen, finden Unternehmen

rasch neue Strategien,

um Steuern zu vermeiden.“

Martin Saringer,

AK Steuerexperte

Foto: picturedesk.com / Christoph Dernbach

Foto: Christian Fischer

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