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AK FÜR SIE 12/2017 – 01/2018
Noch Fragen?
wien.arbeiterkammer.at3 Bahn 4.0
Bei den ÖBB ist die Digitalisierung
ein großes Thema. „Wir halten
diesen technologischen Wandel
nicht auf. Aber wir können ihn
mitgestalten“, sagen Olivia Janisch
und Josef Brenner vom ÖBB-Kon-
zernbetriebsrat. Aus ihrer Sicht
sind die entscheidenden Themen,
wenn es um den digitalen Wandel
geht, Bildung und Weiterbildung
aber, dass die Gemeinschaft unter den
FahrerInnen dabei nicht auf der Strecke
bleibt. „Dadurch, dass es keine Zentrale
für die FahrerInnenschaft gibt, wird diese
nur durch die TeamleiterInnen zusammen-
gehalten. Sollten auch deren Aufgaben
digitalisiert werden, wären wir untereinan-
der zu abgeschottet“, warnt Siegl.
Keine Angst vorm Internet
Eine andere Dimension hat der digitale
Wandel im Tourismus. Dass klassische Rei-
sebüros zusperren müssen, weil die meis-
ten UrlauberInnen ihre Reisen jetzt lieber
selbst im Internet buchen, ist jedoch ein Irr-
tum. „Kunden informieren sich zuerst im
Netz, kommen dann aber ins Büro, um sich
Tipps zu holen, kompetent beraten zu wer-
den und zu buchen“, erklärt Manfred
Schödl, Filialleiter eines Ruefa-Reisebüros.
Die 108 Ruefa-Büros verzeichnen in der
laufenden Wintersaison ein Umsatzplus
von 19 Prozent. „Bei Krisen – auch wäh-
rend des Urlaubs – stehen wir immer als
Ansprechpartner zu Verfügung. Im Gegen-
satz zu vielen gebührenpflichtigen Hotlines
im Internet, wo man schwer eine richtige
Ansprechperson findet“, meint Monika Pru-
sa vom Ruefa-Reisebüro in der Simmerin-
ger Hauptstraße. Dass die Digitalisierung
Arbeitsplätze in der Reisebranche kostet,
bestreitet Angelique Novotny von der Filiale
in der Donaustadt: „Wir waren immer sechs
Personen in unserem Reisebüro und sind
das auch heute. Das Internet wird uns nie
ersetzen können, weil der Kunde jemanden
braucht, dem er vertraut.“
Was sich geändert hat, ist allerdings
das Tempo. „Viele KundInnen erwarten
umgehend eine Antwort auf Anfragen via
ÖBB-Betriebsrat macht Digitalisierungscheck
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Rund 40.000 Menschen
arbeiten bei den ÖBB, am oder im Zug, an den Bahnhöfen, beim
Ausbau der Bahninfrastruktur, in der Verwaltung. Fast alle haben sich auf viele rasche
Veränderungen im Job einstellen müssen: Von immer mehr Arbeit mit und am PC über digitale
Assistenzsysteme im Führungsstand des Triebfahrzeuges bis zur aufwändigen Überwachungs-
technik für immer mehr Züge durch immer weniger Fahrdienstleiterinnen und Fahrdienstleiter.
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Der ÖBB-Konzernbetriebsrat
macht dazu ein einzigartiges Projekt: Eine Rundumschau durch
alle Konzernbereiche: Was bringt der Wandel der Arbeitswelt für die KollegInnen? Ist der Daten-
schutz gewahrt? Kostet mehr Technik Jobs? Wie können die Menschen sinnvoll weitergebildet, fair
bezahlt und weiter beschäftigt werden, wenn der Roboter oder eine Software vieles übernimmt?
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Das Forschungsinstitut Forba
und ExpertInnen der AK Wien begleiten das Modellprojekt.
So könnten aus dem Digitalisierungsprojekt der ÖBB bald Erkenntnisse vorliegen, wie eine
wirkungsvolle Mitbestimmung der Beschäftigten beim Wandel der Arbeitswelt aussehen könnte.
Foto: Thomas Lehmann
„Geändert hat sich das
Tempo. Kunden erwarten
umgehend Antwort, wenn
sie uns ein Mail schicken.“
Monika Prusa,
Ruefa-Mitarbeiterin
E-Mail. Was sie nicht sehen ist, dass wir
das nicht immer sofort erledigen können,
wenn wir zeitgleich Kunden im Reisebüro
direkt beraten“, sagt Prusa. Auch die stän-
dige Erreichbarkeit wird zum Stressfaktor.
„Ich beantworte Mails nach Dienstschluss
erst wieder am kommenden Tag in der
Früh. Diese Auszeit ist notwendig, sonst
kann die Digitalisierung zur Gefahr wer-
den“, so Novotny.
Betriebsräte sind gefordert
Die potenziellen Gefahren der Digitalisie-
rung sind der Grund, warum Betriebsräte
durch die Digitalisierung sehr gefordert
sind: Sie müssen mitreden, wenn es etwa
um die Abgrenzung von Arbeitszeit und
Freizeit, Datenschutz, Mitbestimmung 4.0
und Weiterbildung geht. Bei den ÖBB gibt
es dazu ein eigenes Projekt (siehe Kasten).
AK Präsident Rudi Kaske „Die mögli-
chen Vorteile der Digitalisierung müssen
maximiert und fair verteilt werden, die Ris-
ken müssen minimiert und auf vielen
Schultern verteilt werden“, so AK Präsi-
dent Kaske. Denn nur so kann sicherge-
stellt werden, dass der digitale Wandel ein
Wandel zum Guten wird.
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MARKUS MITTERMÜLLER