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AK FÜR SIE 12/2017 – 01/2018

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nommierte Steuerprofessorin Rita de la Fe-

ria von der University of Leeds eingeladen.

Sie beschäftigt sich intensiv mit dem The-

ma, wie digitale Konzerne gerecht besteu-

ert werden können – etwa in Form einer

Umsatzbesteuerung, die aber letztendlich

die KonsumentInnen treffen würde.

Ein anderer Ansatz ist das Thema der

sogenannten digitalen Betriebsstätte. Das

wäre ein Schritt in die richtige Richtung,

denn so würde sichergestellt, dass Ge-

winne am Ort der Wertschöpfung besteu-

ert werden, also dort, wo sie auch tatsäch-

lich gemacht werden – und nicht dort,

wohin sie das Unternehmen steuerscho-

nend verschoben hat.

Noch kein großer Wurf

Die OECD und die Europäische Union ha-

ben das Problem zwar mittlerweile erkannt

und auf die Tagesordnung gesetzt. Doch

der große Wurf ist bislang ausgeblieben.

„Auch mit der Einführung der digitalen Be-

triebsstätte wäre das Problem nicht ge-

löst. Einzelmaßnahmen reichen nicht aus,

denn wenn einzelne Schlupflöcher ge-

schlossen werden, finden Unternehmen

und die Beratungsindustrie rasch neue

Strategien, um Steuern zu vermeiden“, re-

sümiert AK Steuerexperte Martin Saringer.

Konzerngewinn besteuern

Die AK fordert daher, dass die steuerli-

chen Rahmenbedingungen an die wirt-

schaftliche Realität angepasst werden.

Dazu Saringer: „Anstatt wie bisher die ein-

zelnen Konzerngesellschaften in den ein-

zelnen Staaten zu besteuern, muss man

den gesamten Konzerngewinn besteuern

und diesen Gewinn auf die einzelnen

Staaten, in denen der Konzern wirtschaft-

lich aktiv ist, verteilen. Erst dann laufen die

Steuervermeidungsstrategien, die darauf

abzielen, die Konzerngewinne in Niedrig-

steuerländern zu verstecken, ins Leere.“

n

MICHAELA LEXA-FRANK

Gerechtes Steuersystem – das fordert die Arbeiterkammer

n

Löhne entlasten

– damit sich

ArbeitnehmerInnen wieder mehr

leisten können. Die Lohnsteuersen-

kung, die AK und ÖGB durchgesetzt

haben, war ein wichtiger Schritt.

Weitere müssen folgen. Denn

gerade KleinverdienerInnen

investieren mehr frei verfügbares

Einkommen sofort wieder. So wird

der private Konsum belebt, der eine

wichtige Stütze für die österreichi-

sche Konjunktur darstellt.

n

Wiedereinführung der

Erbschaftssteuer:

Es geht

nicht um die kleinen Häuslbesitze-

rInnen, die ihren Kindern das

mühsam errichtete Eigenheim

vererben wollen! Solche Erbschaf-

ten sollen weiterhin steuerfrei

bleiben. Es geht um große

Erbschaften ab einer Million Euro.

Denn die ErbInnen profitieren,

ohne dafür eine Leistung erbracht

zu haben.

n

Einführung einer Vermögen-

steuer – auch hier gilt:

Erst

große Vermögen ab einer Million

Euro sollen besteuert werden. Es

geht darum, dass die Superreichen

ihren gerechten Beitrag leisten.

n

Steuerpflicht für multinati-

onale Konzerne

wie Google,

Apple, McDonalds oder Amazon:

Diese Unternehmen zahlen in

Österreich so gut wie keine

Steuern, obwohl sie hier beträcht-

liche Gewinne erzielen. Das ist

auch gegenüber heimischen

Unternehmen ungerecht.

n

Schließen von Steuer-

schlupflöchern und Austrocknen

von Steueroasen:

Dadurch, dass

Geld in Steueroasen geparkt wird,

entgehen den Staaten wichtige

Steuereinnahmen. Diese fehlen für

wichtige Aufgaben des Staates in

der Pflege, in der Kinderbetreuung,

im sozialen Wohnbau etc.

Foto: picturedesk.com / LOIC VENANCE