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Noch Fragen?

wien.arbeiterkammer.at

AK FÜR SIE 03/2018

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Wer wie viel unterwegs ist

Manche sollten sich mehr bewegen, für viele ist es zu viel.

10.000 Schritte pro Tag

empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Eine Empfeh-

lung, die PostzustellerInnen oder KellnerInnen bei weitem überschreiten.

Zu wenig und zu viel:

Laut

medizinpopulaer.at

kommen TelefonistInnen nur auf 1.200

Schritte, ManagerInnen auf 3.000 Schritte pro Tag. BriefträgerInnen kommen in dieser

Untersuchung auf 18.000 Schritte. Gut zu Fuß sind auch die KellnerInnen: In der Schanigarten-

saison legt ein Oberkellner im Café Landtmann etwa 1.196 Kilometer zu Fuß zurück.

Einmal um die Welt:

Der menschliche Körper ist auf 30 bis 40 km Bewegung pro Tag

ausgerichtet. Im Durchschnitt verbringt der Mensch jedoch 80.000 Stunden in seinem

Arbeitsleben mit Sitzen. Insgesamt legen wir in unserem Leben 50 Millionen Schritte zurück –

das entspricht 40.000 km und somit einer Umrundung des Erdballs.

Beliefert 1.600 Haushalte:

Der Post-Zusteller Andreas schiebt täglich hunderte Kilo von einer

Zustell-Adresse zur nächsten (erstes Bild). Zweites Bild: Schon bevor er weggeht, muss er

schwere Poststapel sortieren. Drittes Bild: Und dann geht’s nicht nur zum Hausbrieffach im

Erdgeschoß, sondern auch Stiegen rauf und runter

Noch weitere Strecken als die Postle-

rInnen legt Siegfried Maierhofer täglich

zurück – und zwar bis zu 60 Kilometer in-

nerhalb von sechs Stunden. Ohne die digi-

talisierte Welt gäbe es seinen Job gar

nicht. Siegfried Maierhofer radelt für den

Essenszusteller Foodora durch Wien, mit

einer Last von bis zu 15 Kilos am Rücken.

Last am Rad

Fahrrad-Zusteller Maierho-

fer transportiert noch zu-

sätzliches Gewicht. „Ne-

ben dem Essen habe ich

auch immer Werkzeug für

das Rad mit dabei, also ein

fixes Grundgewicht“, so der

33-Jährige. Kein Wunder,

dass diese Belastung im-

mer wieder für Rückenpro-

bleme sorgt: „Das Rad

muss passen und ergono-

misch sein, und auch ein guter Sattel ist

immens wichtig.“

Hubert Eichmann von der Forschungs-

und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA)

sieht diese Entwicklungen zwiespältig:

„Positiv ist, dass durch die Digitalisierung

wie bei Foodora neue Arbeitsplätze ent-

stehen. Negativ sind jedoch die schlech-

ten Arbeitsbedingungen dieser McJobs“.

Der AK ArbeitnehmerInnenschutz-Ex-

perte Harald Bruckner kennt die Proble-

matik: „Jeder vierte Beschäftigte klagt über

Rückenprobleme.“ Er kritisiert, dass bei

der Digitalisierung ausschließlich der Kun-

de im Blickpunkt steht. Auch auf die Be-

schäftigten soll geschaut werden.

Bruckner: „Die Technik sollte auch da-

zu eingesetzt werden, um zu entlasten.

Technische Hilfsmittel, etwa Transportwa-

gen mit Elektromotor, sollten so eingesetzt

werden, dass die Menschen körperlich

entlastet und die Arbeitsplätze generell er-

gonomisch werden.“ Die AK fordert seit

langem eine gesetzliche Regelung dafür,

welches Gewicht beim Heben oder Tra-

gen für Beschäftigte zumutbar ist.

Ein Gesetz, das auch die Arbeit von

Arif Koc erleichtern könnte. Immerhin trägt

er als Kellner im Café & Restaurant in der

Kuppelhalle des Kunsthistorischen Muse-

ums bis zu fünf Speisen oder sechs Ser-

viertabletts mit Getränken gleichzeitig.

Schon immer unterwegs

Kellner Arif Koc ist nicht erst seit der Compu-

terisierung durchgehend auf den Beinen,

sein Beruf ist ein klassisches Beispiel für

Branchen, in denen Bewegung immer schon

gefordert ist. „Rund zehn Kilometer lege ich

in einer Schicht zurück“, meint Koc. Zeit, um

auszuruhen, bleibt dem leidenschaftlichen

Kellner zwischen dem Aufnehmen der Be-

stellungen und dem Servieren von Essen

und Getränken keine. Orthopädische

Schuheinlagen helfen ihm, die Belastungen

täglich zu meistern.

MARKUS MITTERMÜLLER