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AK FÜR SIE 04/2015
Hochtechnologie
für die Masse
Die Technologie des 3-D-Drucks ist mittlerweile
für jeden erschwinglich. Einzelstücke können
gleich billig gefertigt werden wie Massenprodukte.
D
ie Handyhülle ist kaputt, aber
Ersatzteile werden nicht ge-
liefert. Jetzt muss ein teures
Neugerät her. Oder der Auto-
motor stottert, aber das Spe-
zialwerkzeug hat nur die kost-
spielige Vertragswerkstätte, nicht der
günstige Mechaniker des eigenen Vertrau-
ens. Mit 3-D-Druck könnte man den Her-
stellern hier ein Schnippchen schlagen,
wie Clement Moreau, Gründer der 3-D-
Druck-Firma Sculpteo zeigt: altes Handy-
gehäuse einscannen, digitales Modell er-
stellen und einfach selbst ausdrucken.
„Produkte werden demokratisiert“
3-D-Drucker funktionieren eigentlich ganz
simpel. Zuerst erstellt man ein dreidimensi-
onales Computermodell oder lädt sich ei-
ne Vorlage aus dem Internet herunter. Eine
Software überträgt die Daten auf den Dru-
cker. Ein mechanischer, meist mit Elektro-
motoren angetriebener Druckkopf trägt
nun Ebene für Ebene das Material auf. Ein-
zelstücke können mit 3-D-Druck zu fast
den gleichen Kosten angefertigt werden,
wie in Massenproduktion.
Die Technologie existiert schon seit den
1980er-Jahren. Aber erst jetzt kommen die
Geräte in einen leistbaren Bereich für priva-
te Anwender. Im Wiener HappyLab gibt es
die Hochtechnologie für alle. Geschäftsfüh-
rer Roland Stelzer erwartet, dass dadurch
eine „Spirale der Innovation“ losgetreten
wird: „Mit der Entwicklung der 3-D-Drucker
werden Produkte demokratisiert, jeder kann
selbst zu Hause zum Architekten und Kons-
trukteur werden.“ Im HappyLab kann jeder
Mitglied werden und vom 3-D-Drucker bis
zum Laser Cutter alles verwenden. Es gibt
kostenlose Einschulungen an den Geräten.
„Wir wollen zeigen, dass ganz gewöhnliche
Menschen die neuen Technologien nutzen
können“. 1.500 Nutzer werken mittlerweile
im HappyLab für einen Monatsbeitrag von
nur fünf Euro – StudentInnen, Hobbybastle-
rInnen und sogar ein paar taffe Pensionis-
tInnen. Im HappyLab wird der Kunststoff
ABS verwendet. Die maximale Größe des
Objekts misst 20 mal 20 mal 30 Zentimeter.
Der Hit: den eigenen Kopf als Modell aus-
drucken. 3-D-Druck geht aber auch größer.
Die Technologie funktioniert mit einer Vielzahl
von Materialien, etwa mit Beton und Metal-
len. In China wurde jüngst eine ganze Villa
ausgedruckt.
Kühlkanal und Knochenersatz
Die Wiener Firma Lithoz GmbH hat sich
auf Hochleistungskeramik spezialisiert. Die
Firma, gegründet vor drei Jahren aus ei-
nem Forschungsprojekt der Technischen
Universität Wien, entwickelte eine Techno-
Bei der Lithoz GmbH druckt man Bauteile aus
Hochleistungskeramik, wie diese Keramik-
Gusskerne für Kühlkanäle in Turbinenschaufeln
Astronaut Barry Wilmore von der US-Raum-
fahrtbehörde NASA druckt sich sein
Werkzeug einfach aus