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28

AK FÜR SIE 04/2015

Hochtechnologie

für die Masse

Die Technologie des 3-D-Drucks ist mittlerweile

für jeden erschwinglich. Einzelstücke können

gleich billig gefertigt werden wie Massenprodukte.

D

ie Handyhülle ist kaputt, aber

Ersatzteile werden nicht ge-

liefert. Jetzt muss ein teures

Neugerät her. Oder der Auto-

motor stottert, aber das Spe-

zialwerkzeug hat nur die kost-

spielige Vertragswerkstätte, nicht der

günstige Mechaniker des eigenen Vertrau-

ens. Mit 3-D-Druck könnte man den Her-

stellern hier ein Schnippchen schlagen,

wie Clement Moreau, Gründer der 3-D-

Druck-Firma Sculpteo zeigt: altes Handy-

gehäuse einscannen, digitales Modell er-

stellen und einfach selbst ausdrucken.

„Produkte werden demokratisiert“

3-D-Drucker funktionieren eigentlich ganz

simpel. Zuerst erstellt man ein dreidimensi-

onales Computermodell oder lädt sich ei-

ne Vorlage aus dem Internet herunter. Eine

Software überträgt die Daten auf den Dru-

cker. Ein mechanischer, meist mit Elektro-

motoren angetriebener Druckkopf trägt

nun Ebene für Ebene das Material auf. Ein-

zelstücke können mit 3-D-Druck zu fast

den gleichen Kosten angefertigt werden,

wie in Massenproduktion.

Die Technologie existiert schon seit den

1980er-Jahren. Aber erst jetzt kommen die

Geräte in einen leistbaren Bereich für priva-

te Anwender. Im Wiener HappyLab gibt es

die Hochtechnologie für alle. Geschäftsfüh-

rer Roland Stelzer erwartet, dass dadurch

eine „Spirale der Innovation“ losgetreten

wird: „Mit der Entwicklung der 3-D-Drucker

werden Produkte demokratisiert, jeder kann

selbst zu Hause zum Architekten und Kons-

trukteur werden.“ Im HappyLab kann jeder

Mitglied werden und vom 3-D-Drucker bis

zum Laser Cutter alles verwenden. Es gibt

kostenlose Einschulungen an den Geräten.

„Wir wollen zeigen, dass ganz gewöhnliche

Menschen die neuen Technologien nutzen

können“. 1.500 Nutzer werken mittlerweile

im HappyLab für einen Monatsbeitrag von

nur fünf Euro – StudentInnen, Hobbybastle-

rInnen und sogar ein paar taffe Pensionis-

tInnen. Im HappyLab wird der Kunststoff

ABS verwendet. Die maximale Größe des

Objekts misst 20 mal 20 mal 30 Zentimeter.

Der Hit: den eigenen Kopf als Modell aus-

drucken. 3-D-Druck geht aber auch größer.

Die Technologie funktioniert mit einer Vielzahl

von Materialien, etwa mit Beton und Metal-

len. In China wurde jüngst eine ganze Villa

ausgedruckt.

Kühlkanal und Knochenersatz

Die Wiener Firma Lithoz GmbH hat sich

auf Hochleistungskeramik spezialisiert. Die

Firma, gegründet vor drei Jahren aus ei-

nem Forschungsprojekt der Technischen

Universität Wien, entwickelte eine Techno-

Bei der Lithoz GmbH druckt man Bauteile aus

Hochleistungskeramik, wie diese Keramik-

Gusskerne für Kühlkanäle in Turbinenschaufeln

Astronaut Barry Wilmore von der US-Raum-

fahrtbehörde NASA druckt sich sein

Werkzeug einfach aus