

Noch Fragen?
wien.arbeiterkammer.atAK FÜR SIE 04/2015
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der technische Leiter Johannes Patzer an
einem Modell des Wiener Stephansdoms
demonstriert: so klein,
dass er es auf einer Finger-
spitze balancieren kann.
Das Harz aus Keramikpar-
tikeln und Kunststoff wird
Schicht für Schicht aufge-
tragen und wird bei Licht-
einstrahlung fest. Vorstell-
bar sei, dass man auch in
der Medizintechnik einen Durchbruch
schafft. „Schon jetzt können wir biologisch
abbaubares Knochenersatzmaterial her-
stellen“, erklärt Patzer. Vorteil: Derzeit wer-
den Brüche von Stahlnägeln zusammen-
gehalten, damit die Knochen wieder
zusammenwachsen. Die Operation, um
die Nägel wieder zu entfernen könnte
durch das neue, abbaubare Material ent-
fallen. Sein Team mit 18 Beschäftigten ar-
beitet mit der Medizinischen Universität
Wien (MUW) an einem gemeinsamen Pro-
jekt für Herzpumpen aus Keramik.
Bis ins Weltall
Aber es sind nicht allein die Materialien, die
den 3-D-Druck so interessant machen.
Lange Transportwege könnten mit der neu-
en Technologie künftig stark verringert wer-
den. Beispiel Raumfahrt: Statt Werkzeug
mit der nächsten Rakete zu liefern, funkte
die NASA einfach eine elektronische Datei.
Damit konnte der Astronaut
Barry Wilmore sich sein
Werkzeug einfach ausdru-
cken. Es gebe derzeit aller-
dings auch Grenzen der
Technologie, meint Woj-
ciech Matusik vom renom-
mierten Massachusetts Ins-
titute of Technology (MIT)
bei einer Tagung in Wien. So sei es nicht
möglich, Gegenstände herzustellen, die
aus zwei oder mehr verschiedenen Materi-
alien bestehen: „Aufgabe von uns For-
schern und Technikern ist nun, diese Gren-
zen so weit wie möglich auszudehnen“, so
Wojciech Matusik.
n
D. ALBRICH, K. NAGELE
logie für Kühlkanäle in Gas- und Dampftur-
binenschaufeln in Kraftwerken. Das Kera-
mikgebilde, das aus dem Drucker kommt,
hält große Hitze aus. Es wird in die Turbi-
nenschaufel eingegossen, während das
Metall noch heiß ist und später herausge-
löst. Übrig bleiben die Hohlräume der
Kühlkanäle. Das eigens entwickelte Verfah-
ren biete höchste Genauigkeit bei komple-
xen und gleichzeitig kleinsten Bauteilen, wie
Fotos: Christain Fischer
Foto: picturedesk.com / dpa / Britta Pedersen
Per 3-D-Scanner kann man im HappyLab
seinen eigenen Kopf einscannen, mit einer
Software bearbeiten und wieder ausdrucken
Ob Mobiltelefongehäuse oder Autobau-
teil: die Anwendungsgebiete von
3-D-Druck sind vielfältig
Mit 3-D-Druck werden kleinste Bauteile mit
höchster Präzision gefertigt, wie etwa dieses
Minimodell des Wiener Stephansdoms
„Schon jetzt können
wir biologisch abbau-
bares Knochenersatz-
material herstellen.“
Johannes Patzer,
Geschäftsführer von Lithoz