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AK FÜR SIE 12/2017 – 01/2018

Noch Fragen?

wien.arbeiterkammer.at

Soziales

Im Pflegefall springt oft die Familie ein. Ab

Jänner gibt es Verbesserungen bei der Ver-

sicherung von pflegenden Angehörigen.

Alles geben für

die Liebsten

Hanna Fiedler mit ihrem Mann Franz. Er erkennt sie nicht mehr jeden Tag. Aber wenn, dann

nennt er sie stolz „meine liebe Frau“

D

ustin kann sich auf seine Mutter

verlassen. Morgens bringt Claudia

Sengeis ihren 22-jährigen Sohn

zur Tagesbetreuung, mittags holt

sie ihn ab. Dustin ist Autist und hat

spastische Lähmungen. Er braucht täglich

genau den gleichen Ablauf, um sich wohl

zu fühlen. Am Nachmittag kommt Dustins

Schwester Katharina (19) dazu. Sie ist

leicht lernbehindert, macht eine Bürolehre.

Ein dritter Bruder, David (25), verdient sein

eigenes Geld und lebt nicht mehr zu Hause.

„Auch Katharina wird bald selbständig le-

ben können“, sagt Claudia Sengeis. „Aber

Dustin wird mich immer brauchen.“

Die Zeit, in der sie als Sekretärin in ei-

nem Anwaltsbüro gearbeitet hat, liegt lan-

ge zurück. Zumindest ihre Altersvorsorge

ist geregelt: Sie hat eine freiwillige Versi-

cherung bei der PVA, die sie nichts kostet.

„Ich weiß aber nicht, was am Ende dabei

herauskommt“, so Frau Sengeis.

Auf einmal alles anders

Für die heute 57-jährige Hanna Fiedler än-

derte sich das Leben mit dem Schlagan-

fall ihres Mannes Franz. Mit dem Schlag-

anfall wurde auch eine Demenz diagnosti-

ziert. „Als er aus dem Krankenhaus kam,

war er nicht mehr der Mann, mit dem ich

28 Jahre verheiratet war, sondern ein Kind,

das zu mir gehört“, sagt sie heute. Ihr

Mann braucht eine Rund-um-Uhr-Betreu-

ung und vor allem seine Frau als Bezugs-

und Vertrauensperson.

Hanna Fiedler gab ihren Job als Le-

bens- und Sozialberaterin auf. „Ich habe

viele Menschen in schwierigen Lebens-

phasen beraten. Aber die jahrelange Pfle-

ge meines Mannes brachte mich auch an

meine körperlichen Grenzen“, erzählt sie.

Als für sie eine Operation anstand, musste

Hanna Fiedler einen Pflegeplatz für ihren

Mann suchen.

Bessere Absicherung

Dort fühlt sich Franz Fiedler inzwischen

sehr wohl. Hanna Fiedler versucht jetzt,

wieder beruflich durchzustarten und ihren

Mann so oft wie möglich zu besuchen. „Ich

werde meine Erfahrungen nutzen“, sagt sie,

„bei der Begleitung von Angehörigen von

Menschen mit Demenz und in einer Selbst-

hilfegruppe für pflegende Angehörige.“

Über 450.000 Menschen in Österreich

brauchen Pflege: im Alter, wegen einer

schweren Krankheit, wegen der Folgen ei-

nes Unfalls oder wegen körperlicher oder

Damit sich Dustin (22) wohl fühlt, braucht er

einen immer gleichen Tagesablauf. Seine Mutter

Claudia Sengeis sorgt täglich für ihn