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AK FÜR SIE 12/2017 – 01/2018

Grüner leben

in der Stadt

Wer auf dem Land wohnt, lebt nicht automatisch

grüner. Denn StädterInnen müssen weniger

heizen und weniger Auto fahren.

Glabuen Wissen

N

icole wohnt mit ihrer Tochter Le-

na (11) mitten in der Stadt, im

zweiten Bezirk in Wien. Sie ist

Lehrerin und un-

terrichtet natur-

wissenschaftli-

che Fächer an einer Neuen

Mittelschule. Die beiden

sind ein gutes Beispiel da-

für, wie grün man in der

Stadt leben kann: Sie fahren

unter der Woche nur mit

den öffentlichen Verkehrs-

mitteln. An den Wochenenden teilen sie

sich ein Auto mit jemandem. Ihr Energieauf-

wand fürs Heizen ist relativ niedrig, weil sie

in einem Mehrparteienhaus wohnen.

Umstrittene These

„Wenn Sie die Natur lieben, ziehen Sie in

die Stadt“: Mit dieser provokanten Aussa-

ge lässt der Harvard-Professor Edward L.

Glaeser aufhorchen. Er schreibt in seinem

Buch „Triumph of the City“ („Triumph der

Stadt“), dass man die Um-

welt besser schützen kann,

wenn man in der Stadt lebt,

weil man dort weniger Res-

sourcen verbraucht. Eine

Studie von Glaeser in den

USA zeigt, dass Familien in

der Stadt rund sechs Ton-

nen weniger schädliches

Kohlendioxid (CO2) erzeu-

gen als jene am Land.

Der ökologische Fußabdruck

Ein Maß für die Umweltfreundlichkeit des

eigenen Lebensstils ist der ökologische

Fußabdruck: Er zeigt, wie viel Fläche der

Erde nötig ist, um das herzustellen, was

man zum Essen, für Wohnen, Kleidung, Mo-

bilität und Freizeit verbraucht, unabhängig

davon, wo auf der Welt diese Inanspruch-

nahme passiert. Die Methode wurde An-

fang der 90er-Jahre von den Wissenschaft-

lern William Rees und Mathis Wackernagel

entwickelt. Im Durchschnitt kommt jeder

Mensch auf 1,8 Globale Hektar (gha). Der

Ressourcenverbrauch ist aber sehr un-

gleich verteilt: Menschen in Österreich ver-

brauchen durchschnittlich 5,31 gha.

Sollen wir also alle in der Stadt leben,

wie der Wissenschaftler Glaeser meint?

Nein, sagen KritikerInnen. „In der Stadt ist

es zwar leichter, mit weniger Energie aus-

zukommen als auf dem Land“, so AK Um-

weltökonom Florian Wukovitsch. Aber in

der Stadt und auf dem Land gilt: Man kann

den eigenen ökologischen Fußabdruck

verkleinern, indem man bewusst einkauft,

Energie spart, das Auto für kürzere Stre-

cken stehen lässt und keine Flugreisen

unternimmt. Das sei keine Frage des

Wohnorts, sondern des persönlichen Le-

Fotos: Christian Fischer

Lena auf dem Weg in die Schule: im Sommer

mit dem Roller, im Winter mit der Bim

Nicole und Lena im kuschelig warmen Wohnzimmer: Der Nachbar heizt mit

„In der Stadt ist es

leichter, mit weniger

Energie auszukom-

men als auf dem

Land.“

Florian Wukovitsch,

AK Umweltökonom