

Gelbe Karten gegen weniger Rechte:
Über eine Million ArbeitnehmerInnen re-
dete in der Initiative „Wie soll Arbeit?“ mit.
Was sie wollen, wie sie es begründen.
D
onnerstagnachmittag in der Fir-
ma Canon in Wien. Noch ein-
mal zieht Julia Merscher vom
Order-Management das schrill
gelbe „Wie soll Arbeit?“-Leiberl
an. Noch einmal zeigt IT-Techniker Michael
Zmatlik die gelben Karten her, auf denen
er im Mitgliederdialog von AK und ÖGB
die Antworten der KollegInnen auf die
Frage „Wie soll Arbeit?“ gesammelt
hat. Und noch einmal erzählen die Kolle-
gInnen, welches der abgefragten Themen
ihnen unter den Nägeln brennt.
Es sind der drohende generelle
12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-
Woche. Michael Zmatlik ist dagegen:
„Wir sind jetzt schon zu 100 Prozent aus-
gelastet. Wenn wir erschöpft und ausge-
presst wie eine Zitrone
sind, sinkt die Leistung.“
Julia Merscher: „Nach ei-
nem so langen Arbeitstag
ist man fertig.“
Auch Susanne Stumpf,
Betriebsrätin und Marke-
ting-Mitarbeiterin, ist gegen
längere Arbeitszeit: „Die
Frauen müssten wieder zu
Hause bleiben, da sonst niemand für die
Kinder da ist.“ Betriebsrat Adi Hurny ist es
bereits einmal gelungen, den 12-Stunden-
Tag zu verhindern: „Viele waren bei einer
Betriebsversammlung dagegen.“
Rechte sichern
Beim Mitgliederdialog ging es auch um
ein schärferes Vorgehen gegen Lohn- und
Sozial
dumping, gleiche
Löhne für Frauen
und Männer, klare Grenzen
für Mieten, Recht auf Bildung bei Digitalisie-
rung, Pensionsalter und soziale Sicherheit.
Über eine Million diskutierte mit, an die
300.000 beantworteten die Fragen (Stand:
1. Juni 2018). So gut wie alle wollen, dass
ihre Rechte gesichert werden (komplettes
Ergebnis unten links).
Mehr Schutz
Weiteres Ergebnis des
Mitgliederdialogs: Die Ar-
beitnehmerInnen wollen
und brauchen weiterhin
den Rechtsschutz und die
Beratung durch die Arbei-
terkammer im Arbeits- und
Sozialrecht, die Vertretung ihrer Interes-
sen gegenüber Regierung und Wirtschaft,
den Konsumentenschutz – und sie wollen
zusätzliche Leistungen (wie die AK re-
agiert: Bitte umblättern).
Den Schutz ihrer Rechte wollen auch
der Fassader Anton Strobl und der Mau-
rer Andreas Matthey, die bei einem
größeren Wiener Bauunternehmen arbei-
MIT UNS MÜSST
IHR RECHNEN!
„Die Frauen müssten
zu Hause bleiben, da
sonst niemand für
die Kinder da ist.“
Canon-Angestellte
Susanne
Stumpf
ist gegen den generellen
12-Stunden-Tag
die ArbeitnehmerInnen wollen…
… und was die AK tun soll
Rechtsschutz und Beratung im
Arbeits- und Sozialrecht
Vertretung unserer Anliegen als
ArbeitnehmerInnen gegenüber
Politik und Wirtschaft
Konsumentenschutz
Beratung bei Mietrecht
und Wohnen
AK Beratungszentren vor Ort
in jeder Region
Beratung und Unterstützung bei
Aus- und Weiterbildung
Ja 87 %
Ja 79%
Ja 78%
Ja 71 %
Ja 71 %
Ja 70%
Rest auf 100 = keine Angabe
Stand: 1. Juni 2018
Noch Fragen?
wien.arbeiterkammer.atAK FÜR SIE 06/2018
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Foto: Erwin Schuh