

Noch Fragen?
wien.arbeiterkammer.atAK FÜR SIE 05/2018
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?
Wie hoch sind die
Grenzwerte?
Die Grenzwerte bei Stick-
stoffdioxid (NO
2
) liegen bei
40 Mikrogramm/m3 im Jahresmit-
tel, bei Feinstaub bei 50 Mikro-
gramm/m3 im Tagesmittel. 35
Überschreitungen pro Jahr sind er-
laubt. Beim Feinstaub
gab es in den vergan-
genen Jahren vor allem
in der Steiermark und
insbesondere
Graz
Grenzwertüberschrei-
tungen, beim Stick-
stoffdioxid vor allem an
sehr verkehrsbelaste-
ten Straßen in Städten
oder entlang von Auto-
bahnen, etwa bei Vomp an der A12.
Generell aber hat die Feinstaub-Be-
lastung durchschnittlich in den ver-
gangenen drei Jahren im Vergleich
zum Beginn der 2000er Jahre um et-
wa ein Drittel abgenommen. Die Stick-
stoffdioxid-Belastung nimmt seit 2005
langsam ab, im Mittel an verkehrsbe-
lasteten Standorten um etwa ein Vier-
tel.
?
Warum ist die Luft in Stutt-
gart schlechter als in Wien?
Stuttgart liegt – ähnlich wie
Graz, wo in Österreich die häu-
figsten Grenzwertüberschreitungen von
Feinstaub gemessen werden – in einem
Becken mit niedrigen Windgeschwin-
digkeiten. Wien hingegen ist durch die
Lage an der Donau gut durchlüftet und
verfügt über ein gut ausgebautes öffentli-
ches Verkehrsnetz. An der Landshuter Allee
in München ist das Verkehrsaufkommen et-
wa doppelt so hoch wie am Gürtel in Wien.
Damit alleine lassen sich die Unterschiede
beim Stickstoffdioxid nicht erklären. Eine de-
taillierte Untersuchung wäre notwendig.
Beim Feinstaub spielt auch die Fernver-
frachtung von Staub, etwa
aus Industrie- und Kohlehei-
zungen aus den Nachbarlän-
dern eine wichtige Rolle. Auch
Inversionswetterlagen imWin-
ter, bei denen die Luft in höhe-
ren Lagen wärmer ist als etwa
in Tälern, führen zu einer höhe-
ren Belastung, ebenso niedri-
ge Windgeschwindigkeiten.
?
Was kann man für eine bessere
Luft in den Städten tun?
Erst einmal muss man die Ursachen
für die Luftbelastung genau analysie-
ren. Ist der Verkehr, bei Stickstoffdioxid
(NO
2
) vor allem Diesel-Fahrzeuge, Haupt-
verursacher, muss man dort ansetzen, mit
Parkraumbewirtschaftung, verstärkter Ein-
führung von Elektrofahrzeugen für gewerbli-
che Flotten oder dem Ausbau von öffentli-
chem Verkehr und der Förderung von
Rad- und Fußverkehr in den Städten. An
stadtnahen Autobahnen sind Tempolimits
sehr effizient. Fahrverbote werden erst ein-
gesetzt, wenn es keine an-
deren Möglichkeiten gibt.
An 140 Mess-Stellen wie diesen wird österreich-
weit die Luftqualität gemessen: In Städten an
stärker befahrenen Straßen, in Wohngebieten
und in der Nähe von Industriestandorten.
Vergleichsmessungen in abgelegenen Gebieten
ermitteln die Hintergrundbelastung
Stickoxide werden bei
älteren Diesel noch nicht
optimal aus den Abgasen
herausgefiltert
„Es gibt immer
wieder Grenzwert-
überschreitungen.
Generell geht die
Luftbelastung
zurück.“
Jürgen Schneider,
Umweltbundesamt
AK FÜR SIE Redakteurin
Ute Bösinger fragte
Jürgen Schneider
Umweltexperte Umweltbundesamt
Fotos: Umweltbundesamt
Foto: Thomas Lehmann
Foto: Umweltbundesamt/H.Ringhofer