ARBEIT, WIRTSCHAFT
UND
GESELLSCHAFT
Z
u Redaktionsschluss ereilte uns
die jüngste schlechte Nachricht
des Wirtschaftsforschungsinsti-
tuts: Österreichs Wirtschaft ist im dritten
Quartal gar nicht mehr gewachsen.
Grund sei die äußerst schwache Welt-
konjunktur. Auch in Österreich selbst ha-
ke es: Investitionen und Binnennachfra-
ge sehen schlecht aus. Doch aufgrund
der EU-Budgetregeln können die Staa-
ten keine Investitionen tätigen. So kommt
die Wirtschaft nicht in Gang, weshalb
wiederum die Steuereinnahmen ausblei-
ben und die Staaten noch mehr sparen,
was die Wirtschaft weiter schwächt.
Für die Menschen in ganz Europa
bedeutet das sinkende Löhne, Angst
um den Arbeitsplatz und steigende Ar-
beitslosigkeit. Besonders betroffen ist
die Jugend, der vermittelt wird, dass
keiner sie haben will. Nur: Die Budge-
tregeln sind kein Naturgesetz wie der
Zug der Lemminge in den Abgrund.
Die Arbeiterkammer fordert daher
auf EU-Ebene statt der starren Sparre-
gel eine „goldene Investitionsregel“,
wonach bestimmte öffentliche Zu-
kunftsinvestitionen von der Defizitbe-
rechnung ausgenommen werden.
Auch der Internationale Währungs-
fonds teilt in einer jüngst veröffentlich-
ten Studie die Ansicht, wonach in Zei-
ten wie diesen öffentliche Investitionen
erhöht werden sollten, um Wirtschaft
und Beschäftigung anzukurbeln. Sinn-
volle Anwendungsbereiche für die
„goldene Regel“ liegen auf der Hand:
Sie reichen von ökologischen Investiti-
onen über den sozialen Wohnbau bis
hin zu sozialen Investitionen.
K.N.
Sparen für Lemminge
Die EU-Budgetregeln verschärfen die Wirtschaftskrise.
Die AK fordert eine „goldene Regel“ für Investitionen.
klein
teile
am Prüfstand
Unfair für Frauen
Frauen verdienen bei gleicher Arbeitszeit um
23 Prozent weniger als Männer. In jeweils
einem Drittel der Fälle sind Frauen schlechter
eingestuft oder entlohnt, so eine Umfrage von
ÖGB und AK unter 2.700 BetriebsrätInnen.
Diese wissen nämlich durch die Einkommens-
berichte Bescheid über die Durchschnittsgehäl-
ter im Unternehmen.
Die AK fordert: Es
braucht einen verpflichtenden Maßnah-
menplan zum Abbau von Einkommensun-
terschieden. Der Bericht soll für alle im
Unternehmen einsehbar sein, und es soll
Strafen bei Nichterstellung geben.
Geld im Sparstrumpf
Das Geld ist für die ÖsterreicherInnen zu Hause
am sichersten: 40 Prozent der Befragten bewer-
teten diese Sparform als sehr sicher, so eine Um-
frage von Marketagent. Auf Platz zwei kam die
Anlage in Tagesgeld (37 Prozent).
Die AK meint:
Sparen auf der Bank ist für die Konsument-
Innen nicht mehr attraktiv, weil die Banken
kaum noch Sparzinsen zahlen. Gleichzeitig
aber kassieren die Banken Überziehungs-
zinsen von über 10 bis 12 Prozent, wenn
das Girokonto mal überzogen wird.
Weniger Geschenke
Mehr als die Hälfte der ÖsterreicherInnen rechnet
laut einer Umfrage des Linzer market-Instituts
für die Zeitschrift „trend“ mit einer Verschlech-
terung der Konjunktur, ein knappes Drittel will
sich deshalb beim Schenken zu Weihnachten
zurückhalten.
Die AK meint: Die Menschen
werden vorsichtig angesichts steigender
Arbeitslosenzahlen. Deshalb ist es umso
wichtiger, dass jetzt die Lohnsteuern
gesenkt werden. Wenn die Menschen mehr
Geld im Börsel haben, können sie sich mehr
leisten und kurbeln so die Wirtschaft an.
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