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wien.arbeiterkammer.atAK FÜR SIE 06/2018
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Das Wiener Kongressbad um 1930.
Wien war eine der ersten Großstädte, die für
eine „Badekultur“ für alle sorgte, mit
Stadtbädern und den Bädern an der Donau
Seit über 50 Jahren kommen Johann
Sobotka, Therese Altmann und Herbert
Gleissner (von links) jeden Sommer ins
„Kongerl“: „Das ist unsere Heimat“
Hochsaison für Dominic HeJc und
Gerhard Laschka im „Kongerl“: Einsatz
von 7 bis 20 Uhr, Rettungseinsatz oft
inklusive
Donauarm beim Tabor 1780 erwähntes Frei-
bad, das Ferro-Bad. Waren die ersten Bäder
Männern vorbehalten, erhielten im Jahr 1831
auch Frauen die erstmalige Gelegenheit, in
diesem in „Ferdinand Marienbad“ umbe-
nannten Freibad zu schwimmen.
Baden war Freiheit
Einen besonderen Platz hat in Wien seit
langer Zeit auch die Freikörperkultur. „In
der Lobau trafen sich in der Zwischen-
kriegszeit vor allem sozialdemokratische
und kommunistische Männer und Frauen,
für die das Ablegen der Kleider auch et-
was mit der Suche nach einem neuen, frei-
eren Leben zu tun hatte“, erklärt Ehalt. Das
Nacktbaden hat in der Lobau überhaupt
große Tradition mit Wurzeln bis in die
k. u. k. Monarchie. Der Naturheilkundler
Florian Berndl pachtete 1900 das heutige
Gänsehäufel für WienerInnen, die auf Ba-
dekostüme verzichten wollten.
Hochbetrieb von 7 bis 20 Uhr
Heute noch ist das Strandbad im 22. Bezirk
das beliebteste der städtischen Freibäder.
Die beiden meistbesuchten Chlorbäder
sind das Schafbergbad in Währing und das
Kongressbad in Ottakring. Das Jahr 2015
gilt mit über 3,2 Mio. Badegästen in allen
Freibädern Wiens als absolute Rekordsai-
son. Dann ist Hochbetrieb für Gerhard
Laschka und Dominik Hejc, Bademeister im
„Kongerl“. „Es ist ein schöner Job. Aber
man muss immer konzentriert sein und auf
jeden einzelnen Badegast schauen“, räumt
Fotos: Thomas Lehmann
Foto: MA 44 – Bäder
Pack die Badehose ein . . .
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Über 24.000 Quadratmeter Badefläche
in den städtischen Hallen- und Sommerbädern.
Dazu kommen etwa 94.000 Quadratmeter Wasserfläche an der Alten Donau sowie die Badegele-
genheiten an der Neuen Donau.
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Wien verfügt über zehn Sommerbäder,
sieben Kombi- und fünf Hallenbäder sowie
weitere elf Familienbäder, in denen die Kinder umsonst planschen können.
Mehr dazu unter
www.wien.gv.at/freizeit/baeder■
Shuttlebus ins Gänsehäufel:
Noch bis zum 2. September 2018 fährt bis Betriebsschluss ein
eigener Shuttlebus alle zehn Minuten von der U1-Station Kaisermühlen zum Strandbad Gänsehäufel.
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Gratis baden:
Mit dem Romaplatz, der Rehlacke, dem Kaiserwasser, dem ArbeiterInnen-
strand und der Strombucht gibt es in Wien auch viele Gelegenheiten zum Gratisschwimmen.
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Die Wasserqualität in den Badegewässern
in Wien wird regelmäßig getestet. Weitere
Infos finden sie im Internet unter
www.wien.gv.at/umwelt/gewaesser/Gerhard gleich mit einem Vorurteil auf. „Wir
arbeiten auch viel hinter den Kulissen, das
sehen die Leute gar nicht“, bestätigt Domi-
nik. An heißen Tagen – der Rekord stammt
aus 2003 mit 59 Badetagen – geht ihr Ar-
beitstag von 7 in der Früh bis 20 Uhr. Auch
Rettungseinsätze gehören dazu. „Manch-
mal sind die Kinder zu klein, um nach dem
Rutschen im Becken stehen zu können. Es
kommt immer wieder vor, dass ich sie dann
rausholen muss“, schildert Gerhard. Insge-
samt sind im Kongressbad sechs Bade-
meister ständig im Einsatz. Damit auch die
Stammgäste wie Therese, Herbert und Jo-
hann ihren Badetag sorgenfrei genießen
können.
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MARKUS MITTERMÜLLER