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Wirtschaft & Umwelt 4/2015
D
er Abgasskandal von Volks-
wagen in den USA hat ei-
ner breiten Öffentlichkeit vor
Augen geführt, was bei der
Pkw-Typisierung alles gesche-
hen und welche dramatischen
Folgen dies für Umwelt, Konsu-
mentInnen und betroffene Ar-
beitnehmerInnen haben kann.
Augenscheinlich wurden dabei
auch Vollzugsdefizite in der EU
im Vergleich zu den USA. Ver-
mengt werden in der Berichter-
stattung jedoch verschiedene
Themenstränge, die nur indirekt
zusammenhängen und getrennt
betrachtet werden sollten.
Schon allein die Installation
von Software zur Manipula-
tion von Abgastests („defeat
devices“) im Prüflabor ist auf
beiden Seiten des Atlantiks
eine strafbare Tat. Höchst un-
terschiedlich sind jedoch die
konkreten Straffolgen. Während
der US-Gesetzgeber Strafen in
Milliardenhöhe vorsieht, gibt es
abschreckende Strafen in den
EU-Mitgliedstaaten nur auf dem
Papier. Das österreichische
Kraftfahrgesetz (KFG) etwa hat
als Umsetzung der EU-Verord-
nung 715/2007 nur 5.000 Euro
als Höchststrafe vorgesehen.
Symptomatisch hierfür ist auch
der öffentliche Diskurs über den
„Imageschaden von VW“ und
eine getrübte „Kundenbezie-
hung“. Über andere öffentliche
Schutzgüter bei erhöhten Stick-
oxid-(NOx)-Emissionen (z.B.
Gesundheitskosten durch Ozon-
und sekundäre Feinstaubbelas-
tung) herrscht hierzulande noch
immer beredtes Schweigen.
Handlungsbedarf
Höhere Luftschadstoffe-
missionen (v.a. NOx) als unter
realen Fahrbedingungen bei
einer EU-Abgasnorm (Euro 6)
vorgesehen, sind in jeder Hin-
sicht unbefriedigend, jedoch
EU-rechtlich weiterhin völlig
*
Mag. Franz Greil
ist Mitar-
beiter der Abteilung Umwelt &
Verkehr in der AK Wien.
Pkw-Neuwagen: Die
getäuschte Öffentlichkeit
Die Kluft zwischen Herstellerangaben und realen Treibstoffverbräu-
chen bei Neuwagen in der EU wird ständig größer. Abgasarme Pkw
gibt es immer mehr nur in Prospekten, nicht auf den Straßen. Um-
welt und KonsumentInnen bleiben auf der Strecke, wenn der Pkw-
Lobby nicht entgegengetreten wird.
Von Franz Greil*
Politik
Kurzgefasst
Unrealistische Pkw-
Verbrauchswerte der
Hersteller täuschen
KonsumentInnen bei
Kaufentscheidungen und
liefern falsche Entschei-
dungsgrundlagen für
die Umweltpolitik. Im
Vergleich zu den USA
legen sie Defizite bei
Regulierung und Vollzug
in der EU offen.
Schon die Software-Installation
zur Abgastest-Manipulation im
Prüflabor ist eine strafbare Tat
Fotos: Schuh (2)