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AK FÜR SIE 10/2017

Thema

Das Vermögen der Reichsten steigt – und die

Wirtschaft läuft auf Hochtouren. Wir haben nach-

gefragt, was die ArbeitnehmerInnen wollen.

Da ist was

drin für uns

So gut geht’s der Wirtschaft

Warum sich die ArbeitnehmerInnen ordentliche Lohnerhöhungen erwarten können.

Starkes Wachstum:

Die WirtschaftsforscherInnen erwarten heuer 2,8 Prozent mehr

Wirtschaftsleistung als voriges Jahr – das ist mehr als im Schnitt der Eurozone.

Aufschwung in der Industrie:

Die Industrieproduktion liegt heuer um fünf Prozent über

dem Vorjahr. Die Unternehmen haben jede Menge zusätzliche Aufträge.

Mehr Investitionen:

Infolge steigender Auslastung und guter Erwartungen für den Verkauf

der Produkte wird mehr in die Ausrüstung der Firmen gesteckt.

Besser als Deutschland:

Normalerweise läuft die österreichische Industrieproduktion gleich

gut wie die deutsche – heuer läuft sie besser.

Mehr Kaufkraft:

Die Entwicklung ist bestens, weil die ÖsterreicherInnen mehr ausgeben.

A

uf gut Deutsch würde ich mir

auch ein kleines Stückerl

vom Kuchen wünschen, das

im Geldbörsel bleibt“, sagt

Martin Falb. Der 37-Jährige

lernte Werkzeugmaschineur,

arbeitet nach

der Meisterschule als Quali-

tätsingenieur im Opel-Werk

in Wien Aspern. Im Werk re-

den wir mit ihm über die ak-

tuell gute Wirtschaftslage,

das steigende Vermögen der

Superreichen und was die

ArbeitnehmerInnen jetzt wol-

len. Und für ihn ist beim The-

ma laufende Lohnverhandlungen in der

Metallindustrie klar: „Wenn alles gut läuft

und für die Kleinen nichts übrigbleibt,

läuft’s nicht positiv in diesem Land.“

Da ist sich Martin Falb einig mit der

20-jährigen Elektrotechnikerin Natascha

Ficulovic, der 32-jährigen Meisterin Tanja

Seiser und dem 60-jährigen Monteur Ro-

land Zemann. Roland Zemann setzt eins

drauf, vergleicht seine „paar Habseligkei-

ten“ mit Millionenvermögen: „Für Arbeiter

bleibt wenig.“

„Mehr für uns“

Tatsächlich liegen im Mo-

ment Welten zwischen der

Lage der ArbeitnehmerInnen

und der Lage der Wirtschaft

und der Superreichen. Eine

Hochrechnung des Privat-

vermögens in Österreich er-

gibt, dass von sagenhaften 1.317 Milliar-

den Euro das reichste Prozent fast die

Hälfte besitzt, die Hälfte der Österreiche-

rInnen aber fast nichts (mehr ab Seite 6).

Überdies wird die Wirtschaft heuer um 2,8

Prozent wachsen, rechnen die Wirt-

schaftsforscherInnen vor.

Da erwarten sich die KollegInnen bei

Opel eine gute Lohn- und Gehaltserhö-

hung. Und sie wüssten schon, was finan-

ziert werden könnte, würden die Reichsten

einen fairen Beitrag zum Sozialstaat zah-

len. Zum Beispiel Martin Falb. Er hat

Freunde in Niederösterreich, wo der Kin-

dergarten im Unterschied zu Wien nur am

Vormittag gratis ist, und ist für den Ausbau

der Kinderbetreuung. „Warum ist das so

unterschiedlich?“, fragt er.

„Miete ist schrecklich“

Meisterin Tanja Seiser merkt „schon die

Unterschiede“ zwischen Superreichen

und „gewöhnlichen“ Menschen: „Wenn

„Wenn alles gut

läuft und für die

Kleinen nichts

übrigbleibt, läuft’s

nicht positiv.“

Martin Falb

arbeitet als

Opel-Qualitätsingenieur

Fotos: Thomas Lehmann

Martin Falb, Natascha

Ficulovic, Tanja Seiser,

Roland Zeman bei Opel in

Wien Aspern (von links):

konkrete Anliegen – von

einer ordentlichen Lohn-

und Gehaltserhöhung bis

zum Ausbau der Kinder-

betreuung