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AK FÜR SIE 05/2018
Gesundheit
Der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt soll
das Budget stark gekürzt werden. Dabei leisten
ihre Unfallspitäler das Beste.
Beste Medizin
für alle
Gefahr für die Versorgung
Die Bundesregierung droht mit der Auflösung der Unfallversicherungs-
anstalt – auch andere Sozialleistungen sind gefährdet.
D
er Protest der Belegschaft im Lorenz-
Böhler-Unfallkrankenhaus in Wien war
unüberhörbar und übersehbar. Die
Sozialministerin hatte gesagt: Sollte es die
Allgemeine Unfallversicherungsanstalt nicht
schaffen, eine halbe Milliarde zu sparen, werde
sie aufgelöst. Wer finanziert dann die Unfallkran-
kenhäuser, die Unfallrenten und die Unfallverhü-
tung? Der Betriebsrat organisierte eine öffentli-
che Betriebsversammlung. Böhler-Betriebsrat
Manfred Rabensteiner: Die Bundesregierung
setze „in letzter Konsequenz das Leben von
Menschen aufs Spiel“. In der Folge protestierten
auch die anderen Unfallkrankenhäuser. Und die
Bundesregierung hat weitere Pläne zum
„Umbau“ des Sozialstaats.
Druck auf Kranke, Arbeitslose
Die Regierung plant beispielsweise, die Gebiets-
krankenkassen der Bundesländer auf eine
zusammenzulegen – und in den Gremien der
Krankenkassen soll die Mitbestimmung der
Versicherten zurückgedrängt werden.
Besonders unter Druck kommen könnten
D
ass er unlängst erst mit seinem
Kopf durch die Heckscheibe ei-
nes Vans gekracht ist, ist Alexan-
der Hausmann nicht anzumerken
– abgesehen von den Verbänden.
Er erzählt im Wiener Lorenz-Böhler-Unfall-
krankenhaus, was passiert ist: „Der Van hat
abrupt vor mir gebremst, und ich bin mit dem
Fahrrad auf den Wagen
aufgefahren.“
Die schmerzlichen Fol-
gen: ein Splitter im Hals,
durchtrennte Gefäße und
Nerven und ein gebroche-
ner Kiefer. Dass Alexander
Hausmann kurz nach sei-
nem Unfall darüber spre-
chen kann, schreibt er auch der guten Be-
handlung im Böhler-Krankenhaus zu. „Ich
fühle mich hier wohl und werde gut ver-
sorgt.“
Wie es mit dem von der Allgemeinen
Unfallversicherungsanstalt
betriebenen
Krankenhaus weitergehen wird, ist unklar.
Eine halbe Milliarde Euro muss die Unfall-
versicherungsanstalt laut Regierungspro-
gramm einsparen. Andernfalls droht ihre
Auflösung. Dr. Thomas Hausner, Ärztlicher
Leiter und Primarius für Unfallchirurgie,
warnt davor: „Wir sind
maximal ausgelastet und
mit unseren Möglichkei-
ten bereits an der Decke.“
Rasch wieder fit
Jährlich werden nach Ar-
beits- oder Freizeitunfäl-
len in den Wiener Unfall-
krankenhäusern Lorenz Böhler und Wien
Meidling über 13.000 PatientInnen statio-
när und mehr als 130.000 ambulant be-
treut. Und das in bester Qualität. „Wir spie-
len in der Unfallmedizin international in der
obersten Liga mit“, sagt Dr. Hausner.
Oberstes Ziel ist, die Menschen dabei
zu unterstützen, rasch wieder in den Beruf
zurückkehren zu können. Betriebsratsvor-
sitzender Manfred Rabensteiner: „Wer
sich zum Beispiel den Meniskus ein-
„Wir spielen in der
Unfallmedizin inter-
national in der
obersten Liga.“
Dr. Thomas Hausner,
Ärztlicher
Leiter und Primarius für Unfall-
chirurgie im Böhler-Krankenhaus
„Ich fühle mich hier wohl und werde gut
versorgt“: Unfallopfer Alexander Hausmann
im Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhaus
Protest der Böhler-Beschäftigten
gegen Auflösung der Unfall-
versicherungsanstalt
Fotos: Erwin Schuh
Fotos: Christian Fischer