Table of Contents Table of Contents
Previous Page  8 / 32 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page 8 / 32 Next Page
Page Background

8

AK FÜR SIE 05/2018

Frauen verdienen noch immer um 38 Prozent

weniger als Männer. Frauen und Männer arbeiten

dagegen gemeinsam an.

Glabuen erechtigkeit

I

n ihrem Blaumann wirkt Silvia Jani-

czek glücklich: Sie macht bei den

ÖBB eine Ausbildung zur Anlagen-

und Betriebstechnikerin. Die 17-Jäh-

rige hat sich für einen „Männer-

beruf“ in der Technik entschieden.

Einen solchen Berufsweg ergreifen immer

noch mehr Männer als Frauen, obwohl die

Arbeit besser bezahlt wird als in „typischen“

Frauenberufen, wie Friseurin, Einzahlhan-

dels- oder Bürokauffrau. Ans

Geld hat Silvia Janiczek aber

gar nicht so sehr gedacht.

Die Technik hat sie einfach

mehr interessiert: „Haare

schneiden ist nichts für

mich. Ich mag eher techni-

sche Dinge, mit denen ich

etwas bewegen kann“, sagt die junge Frau.

„Schon seit jeher bastle und schraube ich

gerne an allen möglichen Sachen herum.“

Ihre Familie hat ihre Entscheidung von

Anfang an voll unterstützt, Freunde waren

anfangs etwas überrascht. „Mittlerweile

finden es alle sehr cool“, lacht Silvia. Von

ihren hauptsächlich männlichen Kollegen

fühlt sie sich voll akzeptiert: „Kein Problem.

Wir haben uns von Anfang an gut verstan-

den.“ Anderen Mädchen rät die junge Frau:

„Macht, was euch Spaß macht, und lasst

euch nicht davon abhalten, wenn jemand

sagt, das kannst du nicht.“

Alleinerzieherin als

Maßstab

Bettina Pinter hingegen hat

es schwer, gegen veraltete

Rollenklischees anzukom-

men. Die Mutter von vier Kin-

dern im Alter zwischen acht und 15 Jahren

ist seit vier Jahren alleinerziehend. Die

42-Jährige bemüht sich intensiv um einen

„Macht, was euch

Spaß macht, und

lasst euch nicht

abhalten.“

Silvia Janiczek,

Technikerin ÖBB

Einkommensschere

Fotos: Christian Fischer

Die Schere

schließen

Vollzeit-Job – aus finanziellen Gründen,

aber auch, weil sie sich nun wieder mehr

auf ihr eigenes Fortkommen konzentrieren

möchte. Immer wieder wird sie gefragt:

„Vier Kinder? Wie stellen Sie sich das

vor?“ Und sie hat darauf konkrete Antwor-

ten: „Alle vier Kinder sind schulisch ganz-

tägig betreut, und wenn eines der Kinder

krank ist, kommt eine Notfallsmama vom

Verein KIB.“ Dennoch hat ihr bislang kein

Arbeitgeber einen Fulltime-Job zugetraut.

Am Heimweg von der Arbeit macht

Bettina Pinter noch schnell einen Stopp

in der Bücherei, um ein Buch für einen

ihrer Söhne auszuleihen. Sie ist der beste

Beweis, dass sich Frauen bei weitem

nicht immer freiwillig in die berühmte „Teil-

zeitfalle“ begeben. „Als die Kinder klein

waren und ein gut verdienender Vater da

war, war Teilzeit für mich ideal. Aber jetzt

ist das anders.“ Das Familieneinkommen

ist knapp. Allein die Miete für die Genos-

senschaftswohnung beträgt 1.000 Euro.

Die studierte Psychologin kämpft gemein-

2.533

1.642

-187

„unerklärlich“

-79

andere Gründe

-39

schlechtere Bezahlung

„typischer“ Frauenberufe

-586

aufgrund von mehr Teilzeitarbeit

- 891

Unterschied insgesamt

Männer

Frauen

Brutto-Monatslohn